Verfasst von: nuhduran | Januar 7, 2007

Die Ausnahme zur Regel

Es ist etwas erbärmliches, immer wieder von der Ausnahme zur Regel zu reden. Kann man doch einfach sagen, dass es überhaupt gar keine Regel gibt, sondern nur Ausnahmen. Dann wäre es doch viel genauer, oder etwa nicht? Dieser Gedanke schwirrt mir eigentlich nicht immer im Kopf herum und wenn ich ehrlich sein soll, muss ich sagen, dass ich eben gerade, als ich die Überschrift geschrieben habe, daran gedacht habe, so etwas zu schreiben. Es war unbewusst. Unterbewusst kann es auch gewesen sein. Nun habe ich eine Behauptung aufgestellt und diese gilt es zu untermauern.

Die Ausnahme kann etwas Besseres oder aber auch Schlechteres sein. Dementsprechend ist die Wirkung der Aussage „die Ausnahme zur Regel“ auch unterschiedlich. Sie kann einen Menschen loben, aber auch tadeln. Wenn man als Ausnahme besser ist als die Regel, dann muss man gelobt werden. Das stört mich. Warum muss man als Bessere gelobt werden. Das wird keinen Schlechteren motivieren. Es erniedrigt einFragezeichenen nur. Was aber noch viel schlimmer sein kann, ist es, die schlechtere Ausnahme zu sein. Das stört mich noch mehr. Ich möchte hierzu kein Beispiel nennen. Es ist nämlich dies viel wichtiger: Warum braucht der Mensch Regeln?

Der Mensch ist sozial und das ist gut so. Jeder Mensch, aus welchem Grund es auch immer sein mag, der sich von der Gesellschaft absondert, tut etwas Schlechtes für sich. Man braucht als Mensch einen anderen Menschen, um sich mitteilen zu können. Das ist ganz klar. Als sozialer Mensch muss man nolens volens mit anderen Menschen in Kontakt treten, d.h., man muss einkaufen, arbeiten, Bus fahren, etc. Immer wieder hat man Kontakt zu anderen Menschen. Wer was macht, wird durch Regeln bestimmt. Der Busfahrer fährt den Bus, die Kassiererin kassiert das Geld, der Koch kocht die Mahlzeit, der Vater arbeitet und die Mutter passt auf auf das Kind oder: der Vater passt auf auf das Kind und seine Frau arbeitet. Man verdient dann weniger, aber die Frau ist wenigstens Arbeiterin! Hieraus ist ersichtlich, dass man nur mit Regeln mit anderen Menschen leben kann.

Eine Ausnahme wäre z.B. die Anarchie, wo jeder Mensch das macht, was in seiner Macht steht, was er machen will, was er machen kann. Keiner schreibt niemandem etwas vor. Ein Leben, wie es sich jeder Punker wünscht. Aber was soll das? Was kann man damit erreichen. In diesem Fall gibt es auch eine Regel und die lautet, dass alle Regeln aufgehoben sind. Wenn nun ein Mensch kommt und trotzdem nach den alten Regeln handelt – stellen sie sich vor, in Großbritannien bricht die konstitutionelle Monarchie ein und es herrscht Anarchie. Wenn nun ein Mensch unter diesen Umständen nach den alten Regel der konstitutionellen Monarchie bzw. der Demokratie handelt und die aktuelle Regel lautet, es gibt keine Regeln, dann ist der Alte-Regel-Treue in diesem Fall die Ausnahme. Ja. Wenn man im Ausnahmezustand nach den Regeln spielen will, dann ist man die größte Ausnahme und wird bestraft. Wie der alte Hilse in den Webern, der sich gegen den Aufstand auflehnt und (deshalb) von einer verirrten Kugel umgebracht wird. Das ist aber nur die Regel der Ausnahme.

Dieser Versuch wurde im letzten Jahr (02.03.05) geschrieben.


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