Zu allererst möchte ich für alle Menschen, die durch die Folgen dieser Naturkatastrophe ihr Leben verloren haben, mein herzlichen Beileid aussprechen. Mögen sie ihn Frieden ruhen.
Als ich heute Abend aus dem Fenster sah, habe ich gemerkt, dass bei vielen Nachbarn das Licht brennt. Heute geht niemand hinaus. Man kommt nur noch nach Hause, um zu Hause zu bleiben. Auch die Bahn, die sonst (fast) immer fährt, hat alle Züge stillgelegt, d.h. natürlich für einige viele Menschen, dass sie nicht nach Hause kommen können. Am Flughafen Frankfurt am Main sieht es ähnlich aus.
Deutschland ist eigentlich kein Land, das regelmäßig von Naturkatastrophen heimgesucht wird, aber ab und zu trifft es auch uns. Hoffen wir, dass die Zahl der Opfer nicht steigt und die Schäden sich im Rahmen halten.
Ich habe aber nicht die Feder in die Hand genommen, um die aktuellen Geschehnisse in unserem Land zu schreiben, wobei diese heute schon einen sehr hohen Nachrichtenwert haben und einen Blog ausmachen würden. Nein, ich möchte hier noch etwas anderes schreiben. Etwas, was heute vielleicht einigen von uns durch den Kopf gegangen ist. Ein Orkan zwingt uns, wie oben erwähnt, zu Hause zu bleiben. Es ist eine Art Rückzug aus dem Leben. Vor allem in einem Zeitalter, wo uns die Zeit davonrennt, wir nur noch in Sätzen ohne Präpositionen reden und Menschen vieles gleichzeitig machen müssen, ist es etwas Besonderes, sich aus dem Leben zurückzuziehen.
Dieser erzwungener Rückzug bietet für viele von uns die Gelegenheit, sich hinzusetzen und zu überlegen. Kyrill legt Deutschland lahm und setzt uns auf unsere Plätze. Sitzend und vielleicht in ein Kaminfeuer starrend, denken wir über das, worüber zu denken wir sonst nicht die Ruhe haben. Denn da draußen tobt ein Orkan und legt alles still. Manchmal braucht man einen Orkan, um Ruhe zu bekommen.
Wenn man sich selbst gegenübersitzt, so kann man sich besser bewerten. Das ist Objektivität im engsten Sinne. Falls man Manns genug ist, diese Ehrlichkeit an den Tag bringen kann, so wird man gewiss viele seiner Makel sehen können. Wer seine eigenen Makel zu sehen vermag, der ist ein wahrlich tugendhafter Mensch. Seiner Schale entledigt, sieht sich der Mensch bar jeder Ausrede und erkennt, was es heißt, auf nackte Tatsachen zu schauen. Aber einen Fehler zu machen, ist meist noch kein Frevel, neigt man jedoch dazu, diesen Fehler wiederholt zu begehen, dann sieht es problematisch aus. Wir sind im Alltag gewiss gewissenslose Wiederholungstäter, geben wir uns dies zu. Aber was tun?
Es dies nicht einfach, was hier zu tun ist. Der Mensch ist in seinem Ursprung gut. Er ist rein und sauber. Seine Taten (und die Welt) machen ihn zu dem, was er ist. Er muss zurück zu seinem Ursprung. Die Form ist verloren und der Mensch bedarf einer Reformation in wahrstem Sinne. Aber es gibt keine Reformation ohne Konfessionen. Erst muss das Bekenntnis kommen; erst muss man sich seiner Deformationen in Klaren seinen, dann kann man auch dagegen ansteuern. Ansonsten ist jeder Versuch, etwas zu verändern, bar jeden Erfolgs.
Wenn man seiner selbst ins Angesicht zu blicken, seine Makel zu sehen und zu erkennen in der Lage ist, dann hat man das fruchtbare Fundament, dessen es bedarf, sich zu ändern und vielleicht sogar zu bessern. Nur wer sich selbst zu ändern und zu bessern weiß, kann auch die Welt verändern und verbessern.
Dieser Versuch wurde in der „Kyrill“ischen Nacht am 18. Januar 2007 geschrieben.





