Verfasst von: nuhduran | Januar 18, 2007

Mein Tee und ich…

Ein Getränk kann eine Gesellschaft nur so sehr zeichnen, wie der Tee die türkische gezeichnet hat.Gut, unser Nationalgetränk wäre vor einigen Jahrhunderten bestimmt der Kaffee, den die Osmanen unter anderem nach Wien brachten und somit die Ursache für die vielen Kaffeehäuser in dieser Stadt gewesen sind. Doch seit einigen Jahrzehnten hat sich der Tee gegenüber dem Kaffee behaupten können, so dass in den türkischen Cafés fast ausschließlich Tee getrunken wird. Meines Erachtens ist es sehr wichtig zu wissen, dass der europäische Kaffee nicht mit dem klassischen Istanbulkaffee verglichen werden kann. Deshalb empfielt es sich und nicht nur deshalb, eine Reise nach Istanbul durchzuführen; doch zum Kaffee und Istanbul ein andermal mehr.

Wir waren dabei, dass der Tee die absolute Nummer eins der türkischen Cafés weltweit ist. Ja, diese Dominanz beschränkt sich nicht nur auf die Türkei, sondern ist global gültig. Und zudem ist dieses Getränk nicht nur in den Cafés und Gasthäusern beliebt, nein, auch in den türkischen Haushältern hat dieses Getränk die Oberhand – und dieses auch weltweit! So konnte ich bei meinem letzten Türkeibesuch im Februar 1999 genau denselben Tee trinken, den ich auch im September 1999 in New York getrunken habe und immer noch jeden Tag in Heidelberg trinke. Kann denn etwas globaler sein?

Wenn man überlegt, dass der Tee die Türkei erst vor einigen Jahrzehnten erreicht hat, stellt man sich die Frage, wie und warum eine Nation ein Getränk so sehr ins Herz schließen konnte. Çay [tschai], das ist der türkische Name des Tees. Wenn man dieses Wort auf etymologische Herkunft hin untersucht, stellt man fesst, dass die Türken diesen Namen mit kleinen Modifikationen vom Russischen übernommen haben; diese wiederum müßten den Namen von den Chinesen (tschae) übernommen haben. So bekommt man heraus, woher sich der Tee in die Türkei eingeschlichen hat. Ein weiterer, auf russischen Ursprung zurückzuführender Ausdruck ist der Semaver (russ. Samawor). Dieses Gerät wird zum Zubereiten des Çay benutzt. Doch bevor ich auf die genaue Zubereitung eingehe, möchte ich nochmals auf den Tee und seine Position in der Welt eingehen.

Die Teetrinker schlechthin sind natürlich die Chinesen, die mit ihren 1,3 Milliarden, mehrere Hektoliter pro Quadratmeter Grünen Tee trinken. Doch die Begeisterung der übrigen Welt über den Grünen Tee ist sehr unterschiedlich. So gibt es einige, die auf ihren Grünen Tee schwören, aber auch wiederum andere, zu denen ich mich auch zugehörig fühle, die nach einmaligem Versuchen die Finger von diesem Tee lassen. Aber hier muss man gerechterweise erwähnen, dass es beim Grünen Tee genauso wie beim Türkischen Kaffee in Europa ist, weshalb man sich auch in die Heimat dieser begeben muss, um sich eine objektive Meinung über diese zu machen. „It’s five o’clock – Tea Time!“ Ja, die Engländer haben aufgrund ihrer zeitweiligen (wannabe-)Weltmacht ihre Tea Time in nahezu der gesamten Welt bekannt gemacht. Der Earl’s Grey einer berühmten Teemarke ist wohl der Inbegriff für Englischen Tee, der sich auch nur in authentischer Fassung genießen ließe. Doch dass die Türken ein Teetrinkervolk sind, hat sich leider noch nicht so sehr verbreitet. Wie in anderen Sachen auch, bedarf es großem Interesse, um sinnvolle, objektive Informationen über die Türkei zu finden. Die Medien greifen dieses Thema, Informationen über die Türkei zu geben, nur sehr selten auf und sollte mal dies der Fall sein, ist dies leider zu politisch und spiegelt leider nicht die Allgemeinheit in der Türkei, sondern nur eine bestimmte Region oder Menschengruppe wider. Diesbezüglich empfehle ich jedem einzelnen, eine Reise in die Türkei zu machen, wobei man sich nicht nur auf die schon zu westlichen Touristengebiete beschränken sollte, diese jedoch auch nicht ausschließen sollte. Am besten eignet sich eine mehrwöchige Querreise mit dem netten „Türken von Nebenan“, gesetzdenfalls es existiert einer.

Doch was für einen Zusammenhang haben die letzten zehn Sätze mit dem Çay? Wenn man es genau nimmt schon Einiges, da ja der Çay als ein „pars pro toto“ (Teil des Ganzen – Teil des türkischen Leben) zu sehen ist und ich denke, dass diese Tatsache bezüglich der Türkei hier erwähnt werden musste. Aber ohne auf weitere Details einzugehen möchte ich mich nun der Zubereitung des Çays widmen.

Man gehe zu einem Onkel-Ahmet-Laden, dem adäquaten türkischen Gegenstück zum Tante-Emma-Laden, und kaufe sich eine Packung türkische Tee. Hierbei schlage ich vor, schon einige Mark mehr auszugeben und einen qualitativ hochwetigen Tee zu holen. Wenn man beachtet, dass ein Pfund vom teuersten Tee gerade einmal sieben bis acht Mark kosten, ist das nicht so tragisch. Da man ja schon am richtigen Ort ist, hole man sich auch ein Set türkische Teegläser; natürlich gehen auch normale, deutsche Gläser, doch wirken sich diese nicht gerade positiv auf das Teevergnügen aus. Wie dem auch sei. Je nach Gebrauch, nehme man sich ein bis zwei Teelöffel Tee pro Glas und wasche diesen. Nach einigen solle man ihn mit heißem, nach anderen mit kaltem Wasser waschen, da streiten sich noch die Gelehrten. Ich jedoch ziehe die zweite Version vor. Währenddessen koche man Wasser vor. Nachdem man den Tee in einen Teekessel gibt, füllt man je nach Anzahl der Teegläser, die man trinken will, ein viertel Glas kochendes Wasser pro Teeglas in den Kessel. Nachdem man das Konzentrat zehn bis fünfzehn Minuten ziehen läßt, füllt man je nach Geschmack etwas vom Konzentrat in ein Glas, wobei man den Rest mit kochendem Wasser auffüllt. Ich ziehe eine 1-zu-5-Kombination vor, das heißt ein Sechstel Konzentrat und fünf Sechstel kochendes Wasser. Sollte man türkische Teegläser haben, empfehle ich zwei Würfelzucker (ansonsten drei bis vier), jedoch muss ich zugeben, dass ich mir den Zucker abgewöhnt habe. Und nun kann man sich dem ultimativem Teevegnügen geben.

Dieser Versuch wurde vor vielen Jahren geschrieben und erfreut sich seither großer Beliebtheit.


Antworten

  1. Hey Nuh,
    ich werde nostalgisch, wenn ich mir einen Schluck von „deinem Tee…“ gönne ;-) Schön, dass du ihn hier nocheinmal aufgesetzt hat…
    Selamlar,
    I.


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