Verfasst von: nuhduran | Januar 30, 2007

Altern, Einsamkeit und Tod

Ein ernstes Thema, dem wir immer wieder aus dem Weg zu gehen versuchen. Der Mensch hat eine Abneigung vor dem Altern. Er tut alles in seiner Möglichkeit stehende, um diesen Prozess zu verzögern. Schönheitsoperationen oder Anti-Aging-Kuren sind heutzutage sehr populär und wer es sich leisten kann, bedient sich dieser Angebote. Aber warum?

Das Altern ist der Hinweis auf den Tod

Hierzu eine kleine (wahre) Geschichte: Ein weiser Herrscher hatte jahrelang einen Mann eingestellt gehabt, der ihn täglich daran erinnern sollte, dass er eines Tages sterben würde. So wollte sich der Herrscher davon abhalten, übermütig zu werden und somit auf dem „Boden“ bleiben. Als dieser Herrscher jedoch die ersten grauen Haare bekam, kündigte er dem Bediensteten und sagte ihm: „Jetzt, da ich die grauen Haare habe, brauche ich keinen anderen, der mich des Todes erinnert!“

Also ist das Altern und der Tod unumgänglich! Deshalb bringt es auch nichts, sich davon abzuwenden und sie (das Altern und den Tod) zu ignorieren. Was aber tun, wenn der Tod nun unumgänglich ist?

Es gibt eine einzige Lösung. Da alles auf dieser Welt sterblich und vergänglich ist, ausgenommen des Todes, den man nicht umbringen kann, ansonsten wäre das unendliche Leben auf Erden möglich, muss man sich auf den Tod vorbereiten. Jeder auf seine Art. Wenn man dem Todesengel (sofern man an diesen glaubt) gegenübersteht, muss man mit der Welt abgeschlossen haben.

Der Tod kann jederzeit kommen

Da man aber nicht weiß, wann das sein wird, muss man stets bereit sein. Hierzu eine sehr lehrreiche Geschichte von Mevlana Dschelâl-eddin Rumi, dem Dichter der Herzen, übersetzt von Annemarie Schimmel:

„Am Morgen war es, dass ein Mann voll Gram zur Halle Salomos gelaufen kam, bleich sein Gesicht vor Furcht, die Lippen blau. „Was hast du, Meister?“ fragte Salamo. Er sprach: „Der Todesengel Azrael warf einen Blick voll Haß und Zorn auf mich!“ Er sagte: „Nun, so wünsche, was du willst!“ Der bat: „Befiehl dem Wind, o Seelenhort, daß er von hier nach Indien mich bringe – vielleicht entgeh ich dort des Todes Schlinge!“ Dem Wind gab er Befehl, ihn rasch zu tragen ins tiefste Indien über Land und Meer. Am nächsten Tag, zur Zeit der Audienz befragte Salomo dann Azrael: „Was blicktest du den Muslim an voll Zorn, dass er so ganz verstört und flüchtig ward?“ Er sprach: „Nicht zornig blickte diesen Mann ich an – ich war verwundert, ihn allhier zu sehn, denn grade hatte Gott mir ja befohlen, ihn allsogleich in Indien zu holen. Erstaunt dacht ich: Hätt er auch hundert Schwingen – wie sollten sie ihn gleich nach Indien bringen?“

Der Tod bringt Einsamkeit

Die Gedanken von Paul Auster, einem Autor, den ich sehr schätze, über das Altwerden könnte man so zusammenfassen: Es ist nicht sein eigener Tod, der Altwerden uns unangenehm macht. Vielmehr sind es die Menschen um uns, die nach und nach sterben und uns alleine lassen. Nach einer Zeit hat man niemanden mehr. Die Einsamkeit macht dem Menschen das Leben schwer!

Warum schreibe ich über den Tod

Einige Ereignisse wie „Kyrills“ Besuch in Deutschland und Dinks Ermordung haben mich dazu bewogen. Und eines noch: ich wollte mich mal mit dem Tod auseinandersetzen. Mögen wir alle noch ein gesundes und glückliches Leben gesegnet bekommen.

Und solange wir noch leben: Lasst uns diesem Leben einen Sinn geben!

Ps.

Der vor einigen Tagen verstorbene Ex-Außerminister der Türkei, Ismail Cem Ipekci, hat vierzig Jahre vor seinem Tod, schon an diesen gedacht und folgedende Zeilen aufs Papier gebracht:


Çok ileri bir tarihte
Çok yaşlı olarak
Sessizce ayrılmalıyım
Kimseye pek gözükmeden
Ve kimseyi rahatsız etmeden.

Übersetzt würde dies ungefähr so lauten:

 

In sehr ferner Zukunft
In einem sehr hohen Alter
Will ich von dannen ziehen
Ohne mich sehen zu lassen
Und ohne jemanden zu stören.

Schöne Worte! Möge auch er in Frieden ruhen!


Antworten

  1. Im Laufe der Zeit bin ich an Weisheit geschrumpft. Damals konnte ich im Tod manchmal sogar einen sanften Übergang zu Gottes Liebe sehen – doch nach sovielen Menschen, die von mir gingen und mich allein zurückließen in den Trümmern meines Daseins, bin ich nur noch wütend. Ich rede nicht mal mehr mit Gott.

    Der Tod ist ungerecht. Vielleicht nicht der Tod, aber so dann doch das Sterben und die Gefühle, die der Tod eines geliebten Menschen bei uns hinterlässt. Als sei nicht alles schlimm genug, verlacht die Sonne uns alle, indem sie weiterscheint. Die Welt ignoriert uns, indem sie sich weiterdreht – und das Lachen der Sorglosen zermalmt Dir das Herz, weil Du genau weißt: Du wirst niewieder so lachen können.

    Der Tod eines geliebten Menschen verändert alles. Es ist jetzt zwei Monate her, lieber Nuh. Und ich will nicht sagen, wer alles gestorben ist. Aber ich habe fast das Gefühl, der Tod hat mich mitgerissen. Aber gemein genug war er, dass er mich nur halb mitgenommen hat.

    Hätte der „Schöpfer“ uns doch wenigstens mit einem sanftmütigen Lächeln den Kopf gestreichelt und uns gesagt: „Alles wird gut. Ihr seht Euch ja wieder. Eines Tages…“, so würde es uns besser gehen.

    Du solltest mehr über den Tod reden. Oder auch gar nicht? Ich weiß einfach nicht, was eher hilft, das Leben zu LEBEN…


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